Warum der veröffentlichte Marktwert nicht das Ende der Erlösdebatte ist

Michael Sautter
Geschäftsleitung
Veröffentlicht am
15.12.2025
Insights
Der veröffentlichte Marktwert erneuerbarer Energien gilt vielfach als Referenz für erfolgreiche Direktvermarktung. Tatsächlich bildet er jedoch lediglich das Ergebnis passiver Vermarktung ab. Der Artikel zeigt, warum dieser Marktwert kein Ziel, sondern eine Unterkante darstellt, und wie durch algorithmische Positionssteuerung im Day-Ahead- und Intraday-Handel signifikante Mehrerlöse realisiert werden können. Im Zentrum steht der ReDirect Position Closer als operatives Instrument zur kontinuierlichen Erlösoptimierung.

Warum der veröffentlichte Marktwert nicht das Ende der Erlösdebatte ist

Im deutschen Strommarkt gilt der veröffentlichte Marktwert erneuerbarer Energien als feste Größe.
Er wird monatlich publiziert, dient als Referenz in der Direktvermarktung und findet Eingang in Verträge, Investorenpräsentationen und politische Debatten.
Gerade deshalb wird er selten hinterfragt. Dabei ist der Marktwert weniger ein Leistungsmaß als ein statistisches Abbild dessen, was ohne aktive Steuerung geschieht.

Der Marktwert zeigt, zu welchen Preisen Strom im Durchschnitt eingespeist wurde.
Er sagt nichts darüber aus, ob diese Einspeisung optimal vermarktet wurde. In einem Markt, der sich stündlich und viertelstündlich neu bewertet, ist dieser Unterschied entscheidend.

Marktwert als passives Ergebnis

Der veröffentlichte Marktwert entsteht aus der Verknüpfung historischer Einspeiseprofile mit Spotmarktpreisen.
Er ist rückwärtsgewandt, aggregiert und indifferent gegenüber operativen Entscheidungen.
Prognoseverbesserungen nach dem Day-Ahead-Handel bleiben ebenso unberücksichtigt wie kurzfristige Preissignale im Intraday-Markt.

Wo systematisch Erlöspotenzial verloren geht

Der Strommarkt ist volatil. Wetteränderungen, Lastverschiebungen und kurzfristige Knappheiten wirken sich unmittelbar auf Preise aus.
Wer in diesem Umfeld eine einmal eingegangene Position lediglich hält, akzeptiert implizit den Mittelwert. Wertschöpfung entsteht so nicht durch Steuerung, sondern durch Zufall.

Der Ansatz von ReDirect

ReDirect betrachtet Day-Ahead-Handel und Intraday-Handel nicht als alternative Vermarktungsmodelle, sondern als zusammenhängenden Entscheidungsraum.
Kern dieses Ansatzes ist der Position Closer, ein algorithmischer Mechanismus zur kontinuierlichen Optimierung bestehender Marktpositionen.
Die zentrale Annahme ist einfach: Eine Position ist nur so lange gut, wie sie unter den aktuellen Annahmen den höchsten erwarteten Erlös liefert.

Rollierende Prognosen als Fundament

Technisch basiert der Position Closer auf rollierenden Forecast-Läufen im Fünfzehn-Minuten-Raster.
Erzeugung, Last, Wetterentwicklungen und Marktpreise werden fortlaufend neu bewertet. Jeder Lauf erzeugt ein aktualisiertes Erwartungsbild für die kommenden Stunden und Tage.
Diese hohe Frequenz trägt der Realität des Strommarktes Rechnung, in dem Informationsvorsprünge kurzlebig, aber wirtschaftlich relevant sind.

Day-Ahead als Referenz, nicht als Fixpunkt

Im Day-Ahead-Markt wird eine erste Marktposition aufgebaut. Liquid, transparent und effizient.
Für ReDirect ist diese Position kein Endzustand, sondern ein Referenzpunkt. Sobald neue Informationen vorliegen, bewertet der Position Closer, ob diese Position weiterhin optimal ist oder ob eine Anpassung den Erwartungswert erhöht.

Intraday-Markt als Werttreiber

Die Intraday-Auktion ermöglicht die Abbildung struktureller Änderungen im System, etwa durch neue Wetterläufe oder veränderte Erzeugungserwartungen.
Der kontinuierliche Intraday-Handel erlaubt darüber hinaus die Feinsteuerung bis kurz vor Lieferung.
Der Position Closer entscheidet nicht nur, ob gehandelt wird, sondern auch wo und in welcher Form. Jede Anpassung wird anhand ihres erwarteten Mehrerlöses, der Transaktionskosten und des Risikos bewertet. Auch das bewusste Nicht-Handeln ist Teil dieser Logik.

Marktwert als gestaltbare Größe

In dieser Perspektive ist der Marktwert keine gegebene Größe, sondern das Ergebnis vieler Entscheidungen.
Jede davon verändert ihn. Interne Analysen zeigen, dass durch aktive Positionssteuerung gegenüber dem veröffentlichten Marktwert Mehrerlöse im Bereich von rund 5,2 % bis 6,0 % realisiert werden können.
Nicht durch Spekulation, sondern durch strukturierte Nutzung verfügbarer Marktinformationen.

Der veröffentlichte Marktwert ist kein Ziel. Er ist eine Unterkante.

Der Day-Ahead-Preis liefert die Struktur. Der Intraday-Markt liefert die Hebel. Der Position Closer hebt das Potenzial.
ReDirect versteht Direktvermarktung nicht als statisches System, sondern als fortlaufend optimierten Entscheidungsprozess.