Warum offene Handelspositionen der teuerste Fehler im Energiemarkt sind

Der unsichtbare Kostenblock im Energiemarkt
Im Energiemarkt entstehen die größten Verluste selten durch falsche Preisentscheidungen.
Sie entstehen dort, wo Handelspositionen offen bleiben.
Unterdeckungen, Überdeckungen oder falsch platzierte Restmengen sind kein Randphänomen, sondern Alltag.
Oft fallen sie erst mit der Abrechnung auf. Dann ist der Markt längst weitergezogen und der Schaden realisiert.
Viele Energieportfolios wirken auf den ersten Blick solide: gute Prognosen, marktnahe Preise, strukturierte PPAs.
Und dennoch verliert das Portfolio Geld. Der Grund liegt fast immer in nicht geschlossenen Positionen.
Was ist eine offene Handelsposition wirklich?
Eine offene Handelsposition entsteht immer dann, wenn Erzeugung, Verbrauch und Markt nicht exakt zusammengeführt werden.
Das kann wenige Kilowattstunden betreffen oder mehrere Megawatt. In beiden Fällen wirkt sich die Abweichung unmittelbar wirtschaftlich aus.
Typische Ursachen sind:
- Prognoseabweichungen bei Wind-, PV- oder Verbrauchsprofilen
- Ungenutzter oder falsch priorisierter Eigenverbrauch
- Starre PPAs ohne operative Nachsteuerung
- Hedges ohne marktnahe Anpassung
- Zu frühe oder zu späte Platzierung im Day-Ahead
- Nicht genutzte Chancen im Intraday Continuous
Die Position bleibt offen. Der Markt schließt sie später automatisch. Zu seinem Preis, nicht zu deinem.
Warum klassische Vermarktung hier an ihre Grenzen stößt
Viele Vermarktungsmodelle sind historisch gewachsen. Sie funktionieren gut in stabilen Märkten mit planbaren Lasten und moderater Volatilität.
Das typische Setup:
- Day-Ahead-Vermarktung als Hauptinstrument
- Begrenzte Intraday-Aktivität
- Manuelle Eingriffe bei größeren Abweichungen
- Getrennte Betrachtung von Erzeugung, Verbrauch und Beschaffung
Dieses Modell stößt an seine Grenzen, sobald:
der EE-Anteil steigt
- Preisspreads im Intraday zunehmen
- Eigenverbrauch und Speicher integriert werden
- mehrere Märkte parallel relevant sind
Der Markt bewegt sich schneller als menschliche Prozesse reagieren können.
Die wirtschaftlichen Folgen offener Positionen
Offene Handelspositionen wirken sich direkt auf das Ergebnis aus. Nicht abstrakt, sondern messbar.</p>
Typische Konsequenzen:
- Erhöhte Ausgleichsenergiekosten
- Schlechtere Erlöse im Intraday-Handel
- Unnötige externe Energiebeschaffung
- Verpasste Arbitrage zwischen Märkten
- Unklare Risikopositionen im Portfolio
Besonders kritisch: Die Kosten sind verteilt. Sie tauchen nicht als eine Position auf, sondern verstecken sich
in vielen kleinen Abweichungen.
Warum Portfolios heute anders gesteuert werden müssen
Professionelle Portfoliosteuerung denkt nicht mehr in einzelnen Märkten. Sie denkt in Positionen.
Day-Ahead, Intraday, PPAs, Eigenverbrauch, Speicher und Hedges sind keine getrennten Welten,
sondern Bausteine eines integrierten Systems.
Die zentrale Frage lautet nicht: Wo wird gehandelt?
Sondern: Ist die Position geschlossen?
Positionsneutralität als Steuerungsziel
Ein wirtschaftlich optimiertes Portfolio strebt nicht maximale Aktivität an, sondern minimale Restpositionen zum richtigen Zeitpunkt.
Dazu gehört:
- laufende Analyse von Prognoseabweichungen
- Bewertung realer Erzeugungs- und Verbrauchsdaten
- Marktübergreifende Preisvergleiche
- Automatisierte Entscheidungslogik statt manueller Eingriffe
Nur so lassen sich Unter- und Überdeckungen systematisch vermeiden.
Der Position Closer Ansatz
Der Position Closer schließt offene Handelspositionen konsequent und marktübergreifend. Er analysiert fortlaufend:
- aktuelle Portfolioabweichungen
- verfügbare Marktpreise
- beste Handelsoption je Marktstufe
- zeitliche Priorität der Position
Restmengen werden dort geschlossen, wo es wirtschaftlich am sinnvollsten ist. Automatisiert, transparent und nachvollziehbar.
Warum das heute entscheidend ist
Mit zunehmender Volatilität wird Positionssteuerung zum zentralen Erfolgsfaktor. Portfolios ohne aktive Schließlogik verlieren strukturell Geld.
Nicht wegen schlechter Entscheidungen, sondern wegen fehlender Entscheidungen zur richtigen Zeit.
Der Markt verzeiht keine offenen Positionen.
Fazit
Offene Handelspositionen sind der größte stille Kostenfaktor im Energiemarkt. Wer Erzeugung, Verbrauch und Markt wirtschaftlich steuern will, braucht ein System, das Positionen konsequent schließt.
In allen Märkten. Zu jedem Zeitpunkt.
Genau hier beginnt professionelle Portfoliosteuerung.



